Am Freitagabend, den 7. März 2025, kam es in der Regionalliga Nordost zum Gastspiel des SV Babelsberg 03 bei der VSG Altglienicke. Der VSG dient derzeit das Hans-Zoschke-Stadion im Berliner Stadtteil Lichtenberg als Heimspielstätte. Dort hatten sich auch rund 400 Fans unseres SVB eingefunden. Im Nachgang des Spiels kam es zu Vorfällen zwischen der Polizei und einem Teil der abreisenden Fans. In der später veröffentlichten Mitteilung der Polizei werden die Fans in dieser Situation als die Aggressor*innen dargestellt. Dieser Auffassung möchten wir entschieden widersprechen und im Folgenden eine kurze Rekonstruktion des Geschehens darlegen.

Spiele zwischen dem SV Babelsberg 03 und der VSG Altglienicke verliefen in der Vergangenheit immer ruhig. Altglienicke weist nur ein geringes Fanaufkommen vor und beide Fanlager verbindet keinerlei nennenswerte Rivalität, die über den sportlichen Wettkampf der Mannschaften hinausgeht. Dementsprechend verlief auch das Spiel am vergangenen Freitag ohne jegliche Zwischenfälle. Dessen ungeachtet fiel bereits bei der Anreise auf, dass die Polizei mit einer beachtlichen Anzahl an Einsatzkräften vor Ort war. Dies war weder bei vergangenen Spielen im Zoschke (in der Regel war dort Lichtenberg 47 der Gegner) der Fall, noch gab es im Rahmen dieses Spiels einen Anlass dazu.

Nach Ende des Spiels verließ eine größere Gruppe Gästefans das Stadion am Ausgang Normannenstraße und bog von dieser in südlicher Richtung in die Ruschestraße ab, um auf schnellstem Wege zum nächstgelegenen U-Bahnhof Magdalenenstraße zu gelangen. Die Stimmung war in keiner Weise aggressiv.. Die Fans gingen allesamt geordnet auf dem Gehweg in Richtung U-Bahnhof. Gestört wurde das zügige Vorankommen dabei lediglich durch mehrere Polizeibeamte. Offenbar fühlten sich diese durch vereinzelte Gesänge aus der Masse provoziert. In völlig unverhältnismäßiger Art und Weise drängten die Beamten daraufhin wiederholt Einzelpersonen von ihrem Weg ab und drohten diesen sogar offen Gewalt an.

Nachdem die Fans die erste Treppe zur Zwischenebene des U-Bahnhofs Magdalenenstraße hinuntergegangen waren, wurde dort die Situation durch die Polizei eskaliert. Ohne ersichtlichen Grund drängte die Polizei gewaltsam in die Menge und separierte zwei junge Personen vom Rest der Fans. Die beiden Betroffenen wurden bäuchlings auf dem Boden festgehalten und ihre Hände mittels Handschellen hinter dem Rücken fixiert. Obwohl beide keinen Widerstand leisteten und in dieser Position auch gar nicht dazu in der Lage gewesen wären, kniete ein Beamter auf dem Kopf-/Nackenbereich eines Betroffenen. Der Rest der Fans wurde von einer Polizeikette von den beiden Betroffenen abgeschirmt. Gegen mindestens eine Person aus der Menge wurde seitens der Beamten anlasslos Pfefferspray eingesetzt. Auf spätere Nachfrage bei den Beamten sowie den anwesenden szenekundigen Beamten, weshalb der Einsatz des Pfeffersprays erfolgt sei, wurde mit Schulterzucken reagiert. Nachdem die mit Pfefferspray attackierte Person von den Fans erstversorgt wurde und sich in einem sichtbar schlechten Zustand befand, wurde sie mehr als 15 Minuten später von der Polizei in Gewahrsam genommen.

Während der Großteil der Fans im U-Bahnhof gekesselt wurde, wurden die in Gewahrsam Genommenen einer erkennungsdienstlichen Behandlung außerhalb des U-Bahnhofs unterzogen. Obwohl alle Betroffenen eingehend durchsucht worden waren, durften Toilettengänge nur in Begleitung durchgeführt werden und die Herausgabe von Toilettenpapier wurde auf Nachfrage verweigert. Uns erschließt sich der Sinn solcher Maßnahmen in keinster Weise, weshalb wir davon ausgehen müssen, dass sie allein der Erniedrigung der Betroffenen dienten! Einem Mitarbeiter des Babelsberger Fanprojekts gegenüber wurden außerdem bewusst falsche Angaben gemacht. Laut Auskunft der Polizei sollten die Betroffenen in der Gefangenensammelstelle in Tempelhof festgehalten werden. Nachdem diese mitten in der Nacht wieder auf freien Fuß gesetzt wurden, stellte sich jedoch heraus, dass sie nach Moabit verbracht worden waren.

Wir verurteilen hiermit entschieden das Vorgehen der Polizei! Ohne einen belastbaren Grund wurden Fans, die sich keiner strafbaren Handlung schuldig gemacht hatten, schikaniert, bedroht und anschließend körperlich attackiert. Einzelpersonen werden zur Rechtfertigung der polizeilichen Exzesse nun Beleidigung und Landfriedensbruch zur Last gelegt. Wir weisen diese Vorwürfe ebenso wie die öffentliche Darstellung seitens der Polizei als falsch zurück und fordern eine Aufklärung der Vorfälle!

nur03 im März 2025

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